Wie tracke ich meinen Zyklus und machen Ovulationstest wirklich Sinn?
Die Frage, ob es sinnvoll ist, den Zyklus zu „tracken“, wird in der Kinderwunschsprechstunde oft gestellt. Vielen Frauen gibt es ein sicheres Gefühl, den Zeitpunkt des Eisprungs bzw. das fruchtbare Zeitfenster zu kennen.
Die Möglichkeiten und das Angebot von Trackingmethoden sind riesig; Aufwand, Preis (20–250 CHF) und Aussagekraft unterscheiden sich deutlich. Entsprechend stellt sich für viele die Frage, ob und welche Art von Zyklustracking überhaupt sinnvoll ist.
Die am häufigsten verwendeten Methoden sind:
Kalendermethoden schätzen den Eisprung anhand der Zykluslänge unter der Annahme einer konstanten Lutealphase. Sie sind jedoch durch Zyklusvariabilität eingeschränkt und weisen insbesondere bei Frauen mit unregelmässigen Zyklen eine geringe Genauigkeit auf.
Das Notieren der Regelblutungen bzw. der vermuteten Ovulation ist dennoch in jedem Fall sinnvoll, da sich dadurch Zyklusabweichungen erkennen und das Schwangerschaftsalter berechnen lassen.
Diese Methode basiert auf der Identifizierung von Veränderungen der Vaginalsekretion. Der Höhepunkt des spinnbaren, klaren Schleims korreliert mit der höchsten Fruchtbarkeit. Die Interpretation ist jedoch subjektiv – manche Frauen haben beispielsweise so wenig Schleim, dass dieser kaum wahrnehmbar ist.
Die BBT-Messung erfasst den Temperaturanstieg nach dem Eisprung. Dadurch wird der Eisprung erst erkannt, wenn er bereits stattgefunden hat. Dies schränkt die Aussagekraft für die Vorhersage des fruchtbaren Zeitfensters ein und erklärt die im Vergleich zu anderen Methoden geringe Zuverlässigkeit.
Der LH-Urintest ist weit verbreitet und korreliert gut mit dem LH-Anstieg vor dem Eisprung. Er ermöglicht eine relativ zuverlässige Vorhersage des Eisprungs innerhalb von 1–2 Tagen.
Allerdings kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen, insbesondere bei Frauen mit Störungen des Hormonhaushalts, wie z. B. dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS).
Tragbare Sensoren (z. B. Oura Ring oder Hauttemperaturmessgeräte für das Handgelenk) bieten eine höhere Genauigkeit als Kalender- und BBT-Methoden. Durch die kontinuierliche Datenerfassung erzielen sie insbesondere bei unregelmässigen Zyklen eine bessere Aussagekraft, wobei die Genauigkeit bei sehr langen oder ungewöhnlichen Zyklen abnehmen kann.
Studien zeigen, dass die Anwendung von LH-Tests die Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft leicht verkürzen kann. Gleichzeitig müssen jedoch folgende Aspekte bedacht werden:
Nach unserer Erfahrung kann insbesondere ein stark zweckorientierter Geschlechtsverkehr „nach Plan“ belastend sein.
Bei Frauen, die ihre Ovulation gut wahrnehmen (z. B. durch Ovulationsschmerz oder spinnbaren Zervixschleim), empfehlen wir daher zugunsten des Liebeslebens, auf Zyklustracking zu verzichten und stattdessen 2–3 Mal pro Woche Geschlechtsverkehr zu haben – ohne Fokus auf das „perfekte Timing“. Auf diese Weise werden die meisten Frauen innerhalb eines Jahres schwanger.
Bei folgenden Situationen empfehlen wir ein ärztliches Zyklusmonitoring:
Das Zyklusmonitoring erfolgt in der Praxis mittels:
Diese Verfahren gelten als Goldstandard zur Bestätigung des Eisprungs und liefern die genausten Ergebnisse.
Gerne beraten wir Frauen und Paare mit Kinderwunsch zu den verschiedenen Methoden der Zyklusbeobachtung in unserer Sprechstunde.
Bitte buchen Sie hierfür einen Termin beim Kinderwunschteam.